GEMEINSAM für Fairness, Respekt und Toleranz

Ausstellung KICKER, KÄMPFER, LEGENDEN – JUDEN IM DEUTSCHEN FUSSBALL

Gemeinschaftsveranstaltung mit dem Gymnasium Fränkische Schweiz Ebermannstadt (21. Februar 2013)

Sie waren Pioniere im deutschen Fußball. Spieler, Funktionäre, Journalisten und Unternehmer. Sie machten Fußball um die Jahrhundertwende 1900 in Deutschland populär, sie brachten das Fußballspiel (manchmal auch als “englische Krankheit” verschrien) nach Deutschland. Ein Visionär und Pionier war Walter Bensemann, Mitbegründer des DFB und Gründer, Herausgeber und Chefredakteur des KICKER Sportmagazins. Er setzte sich für die Völkerverständigung ein und organisierte schon 1898 mit dem damaligen “Todfeind” von Deutschland Fußballspiele in Paris.

Die jüdischen Fußballspieler Julius Hirsch und Gottfried Fuchs spielten in der Nationalmannschaft und nahmen für Deutschland an den Olympischen Spielen 1914 in Stockholm teil. Sie waren zu ihrer Zeit die besten Fußballspieler. Ironie des Schicksals: Im Dritten Reich waren jüdische Spieler tagtäglich Anfeindungen ausgesetzt. Sie durften ab 1933 nicht mehr in deutschen Vereinen spielen und 1938 wurde ihnen jeglicher Sport verboten. Einige konnten Deutschland rechtzeitig verlassen, andere wie beispielsweise Julius Hirsch wurde am 1. März 1943 nach Auschwitz-Birkenau deportiert, wo er ermordet wurde.

Die Ausstellung KICKER, KÄMPFER, LEGENDEN – JUDEN IM DEUTSCHEN FUSSBALL gibt einen sehr umfassenden Überblick von den Anfängen des deutschen Fußballs, behandelt das Dritte Reich und die Zeit danach. Bei der offiziellen Eröffnung der Ausstellung im Gymnasium Fränkische Schweiz waren etwa 300 Schüler, Lehrer und Ehrengäste in der Aula des Gymnasiums Fränkische Schweiz anwesend.

Herr Oberstudiendirektor Erhard Herrmann begrüßte die Ehrengäste, Lehrer und Schüler und die Vertreter der benachbarten Grund- und Hauptschule und Realschule. Die Ausstellung ist für die Öffentlichkeit und für die benachbarten Schulen während der Schulzeit bis zum 7. März 2013 jederzeit zu besichtigen.

Nach der Begrüßung durch Herrn Herrmann gab Herr Ludwig K. Haas vom Gräfenberger Sportbündnis einen Überblick über die Ausstellung und einen aktuellen Situationsbericht im Hinblick auf Neonazi-Aktivitäten im Gräfenberger Raum.

Hauptreferent der Veranstaltung war der wissenschaftliche Mitarbeiter des Nürnberger Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände, Herr Dr. Eckart Dietzfelbinger. Im Rahmen seines Vortrags nahm Dr. Dietzfelbinger Bezug auf die Geschichte der Judenverfolgung, die bereits im frühen Mittelalter einsetzte und im Antisemitismus des Dritten Reiches unmenschliche Ausmaße annahm. Er ging sehr stark auf die unrühmliche Rolle vieler Verbände und Sportvereine im Dritten Reich ein. Fundiert berichtete er über “Verfehlungen” oder über den vorauseilenden Gehorsam vieler Parteiangehöriger und Organisationen, darunter Funktionäre, Sportvereine und –verbände. Da jüdische Spieler ab 1933 nicht mehr in deutschen Sportvereinen geduldet wurden, gründeten sie eigene Vereine oder traten in schon bestehende jüdische Vereine ein. Ein geregelter Sportbetrieb war kaum mehr möglich.

Erst allmählich setzt sich die Notwendigkeit zur Aufarbeitung der Vergangenheit auch im Sportbereich ein. Der Deutsche Fußball-Bund steht zu seiner Vergangenheit und verleiht seit 2005 jährlich den Julius-Hirsch-Preis für ein herausragendes Engagement im Kampf gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Julius Hirsch steht stellvertretend für die unzähligen Opfer des Naziregimes und als Mahnung für die heutige Generation.

Oberstudienrat Michael Schneier, Geschichtslehrer am Gymnasium, unter dessen Leitung die Ausstellung durchgeführt wurde, stellte einen Bezug zur heutigen Situation im Hinblick auf die Neonazis in der näheren Umgebung her. Seine Nachfragen und einige Fragen der Schüler wurden von den Rednern der Veranstaltung umfassende beantwortet.

 

Fotos: privat

 


Dr. Eckart Dietzfelbinger vom Nürnberger Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände bei seinem Vortrag


Oberstudiendirektor Erhard Herrmann im Gespräch mit Dr. Eckart Dietzfelbinger


Schüler im Gespräch mit Dr. Dietzfelbinger

Presseveröffentlichungen zur Ausstellung:
Die Ausstellung wurde in den Nordbayerischen Nachrichten in einem Beitrag angekündigt. Ein ausführlicher Bericht von der Veranstaltung erschien am 25. Februar 2013 in den Nordbayerischen Nachrichten – siehe nachstehende Links:

http://www.ebermannstadt.de/news/110/183/Wie-Fussballvereine-ploetzlich-judenfrei-wurden.html
http://www.nordbayern.de/region/forchheim/licht-in-ein-dunkles-kapitel-der-fussballgeschichte-1.2713534

 

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