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Zeitzeuge Ernst Grube im Gymnasium in Eckental (07. November 2012) – Gemeinschaftsveranstaltung mit dem Gräfenberger Sportbündnis

Es gibt nur noch relativ wenige Zeitzeugen, die im Dritten Reich das Konzentrationslager überlebt haben. Einer von Ihnen ist Ernst Grube, Jahrgang 1932. Seine Mutter ist Jüdin, sein Vater evangelischer Sozialist. Als kleiner Junge erlebte und spürte er die Verfolgung und Benachteiligung jüdischer Bürger in München und die systematische Ausgrenzung der Juden. Er wurde von den Eltern getrennt, ins jüdische Kinderheim abgeschoben und nach Auflösung des Kinderheims ins Deportationslager Milbertshofen verfrachtet. 1945 wird er mit seinen beiden Geschwistern und seiner Mutter ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Die Befreiung der überlebenden Häftlinge des Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee rettete ihm und seiner Familie das Leben.

Bei der offiziellen Ausstellungseröffnung „Kicker, Kämpfer, Legenden. Juden im deutschen Fußball“ am 7. November 2012 im Eckentaler Gymnasium war er als Zeitzeuge dabei. Bei seinem Vortrag über seine Erfahrungen im Dritten Reich und über die Zeit danach war es mucksmäuschenstill. Alle Schüler und Gäste lauschten aufmerksam und gespannt seinen Ausführungen. Nachvollziehbar und ergreifend war seine Mahnung, die Menschenrechte zu achten. Am schlimmsten war für ihn, so seine Worte, die Missachtung der Menschenwürde. Das Einzelschicksal genauer zu betrachten ist genauso wichtig, vielleicht sogar noch wichtiger als die reine Betrachtung der Zahlen der Ermordeten.

Oberstudiendirektor Friedrich Arnet konnte in seiner Begrüßungsrede zahlreiche Gäste begrüßen, so zum Beispiel den stellv. Landrat Manfred Bachmayer und den zweiten Bürgermeister Konrad Gubo sowie Vertreter des Elternbeirats. Sehr ausführlich ging er auf das Leitmotiv der Ausstellung Kicker, Kämpfer, Legenden – Juden im deutschen Fußball ein. Beispielhaft nannte er Walther Bensemann, dem Mitbegründer des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Jahre 1900 und Gründer und Herausgeber des Sportmagazins „KICKER“. 1933 legte er aus „gesundheitlichen“ Gründen seinen Chefredaktionsposten nieder.

Unvergessen ist vor allem in München Kurt Landauer, der langjährige Präsident des FC Bayern. 1932 wurde der FC Bayern erstmals unter Kurt Landauer deutscher Meister. In der November-Pogromnacht 1938 wurde Landauer in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. 1939 gelingt ihm die Flucht in die Schweiz. Von seiner Familie überleben nur er in der Schweiz und seine Schwester, die bereits 1934 nach Palästina ausgewandert ist.

Julius Hirsch, deutscher Nationalspieler jüdischen Glaubens, Olympia-Teilnehmer in Stockholm 1912 und deutscher Meister mit der Spielvereinigung Fürth, erging es nicht anders. Er musste seinen Beruf 1933 als Geschäftsführer aufgeben und wurde 1941 zur Zwangsarbeit auf einem Schuttplatz verpflichtet. Am 1. März 1943 wurde er nach Auschwitz-Birkenau deportiert und ermordet.

Die Rolle der deutschen Sportverbände ist in der Vergangenheit nicht immer so aufgearbeitet worden wie es eigentlich erforderlich wäre. Der Deutsche Fußball-Bund steht zu seiner Vergangenheit und verleiht seit 2005 jährlich den Julius-Hirsch-Preis zum Andenken an verfolgte Sportler und zur Mahnung für Toleranz und Menschlichkeit. Einer der Preisträger ist auch das Gräfenberger Sportbündnis.

Die Historikerin Dr. Martina Switalski ging in Ihrem Vortrag auf die Situation im hiesigen Raum näher ein und wies auf das Schicksal der jüdischen Mitbürger aus Forth hin. Die Verfolgung und Ausgrenzung jüdischer Mitbürger setzte schon teilweise vor der Machtergreifung ein. Das Schicksal der 29 aus Forth deportierten Juden ist weitgehend unbekannt.

Das Projektseminar unter der Leitung von Daniel Michl befasst sich in den nächsten zwei Jahren mit der Geschichte der Juden im Eckentaler Fußball. Ernst Grube und Martina Switalski regten an, solange es noch Zeitzeugen oder Nachkommen aus der Zeit des Dritten Reiches gibt, persönliche Befragungen und Studien in den Archiven durchzuführen.

Die Schüler hatten viele Fragen an Ernst Grube, die er ruhig und überlegt beantwortete. Eine der Fragen lautete, ob er es je bereut hätte, Jude zu sein. Seine Antwort sinngemäß: Zu keiner Zeit hat er bereut Jude zu sein. Die Zusammengehörigkeit und die jüdischen Feste sind ein fester Bestandteil des jüdischen Volkes – und das möchte er keineswegs missen.

Die Ausstellung Kicker, Kämpfer, Legenden – Juden im deutschen Fußball war in der Zeit vom 5. bis einschließlich 16. November 2012 im Gymnasium Eckental auch der Öffentlichkeit zugänglich. Das Projektseminar Geschichte bot eine kostenlose Führung durch die Ausstellung an.

 

Fotos: privat

 


Stellv. Landrat Manfred Bachmayer, Historikerin Dr. Martina Switalski, Ernst Grube, Oberstudiendirektor Friedrich Arnet, Geschichtslehrer und Leiter des P-Seminars Daniel Michl, Moderator und Mittelstufenbetreuer Markus Feiler und Ludwig K. Haas (Gräfenberger Sportbündnis). Nicht auf dem Bild die Leiterin der Fachschaft Geschichte Diana Hopfner.

 


Ernst Grube bei seiner Rede

 


Dr. Martina Switalski bei ihrem Vortrag über das jüdische Leben in Forth

 


Zweiter Bürgermeister Konrad Gubo, stellv. Landrat Manfred Bachmayer und Ernst Grube beim Vortrag des Schulleiters Friedrich Arnet.

 


Ernst Grube im Gespräch

 


Aula der Realschule Eckental – Blick auf einige der Ausstellungsplakate

 

 

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