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Gewaltprävention für Jungs: Kein Weichei sein… kein Rambo werden (18. August und 19. August 2011)

„Fightclub light“: Boxen als Selbsterfahrung für Jungen und Männer – dieses Angebot unterbreitet Michael Posset aus Nürnberg in zwei work shops. Er ist Dipl. Sozialpädagoge, Computerpädagoge, kampfsporterfahren (Karate), Selbstbehauptungstrainer für Jungen und Fachkraft für Jugendschutz im Jugendamt Nürnberg. Michael Posset war auf Initiative des Sportbündnisses und im Rahmen des Sommerferienprogramms der Verwaltungsgemeinschaft Gräfenberg mehrmals zu Gast im Jugendzentrum Gräfenberg. Jungen aus Gräfenberg und Umgebung im Alter von 10 bis 15 Jahren nahmen Teil am „Fightclub Light“. Der Titel bezieht sich auf den bekannten Film mit Brad Pitt – der Zusatz „light“ lässt sofort erkennen, dass hier jedoch klare Grenzen gezogen werden. Genau darum geht es nämlich: die eigenen Grenzen und die des Gegners ausloten, ohne sich dabei wehzutun. Die Jungs lernen dabei sich selbst und den Gegenüber besser einzuschätzen, indem sie sich auf sich selbst und zugleich auf den anderen einlassen. Der erfahrene Kursleiter bietet dabei einen geschützten Rahmen, in dem man vor Kränkungen und Blamagen sicher ist und bezieht stets alle Teilnehmenden ein. Durch ihre Präsenz als Schiedsrichter, durch klare Regeln, verbindliche Rituale, die Wahl des „richtigen“ Mitkämpfers und den Kreis der Jungs als „lebendiger Boxring“ wird sichergestellt, dass jeder Junge im Kampf bei sich bleibt und nicht außer sich gerät. So bleibt die Grenze zwischen Kampf und Gewalt gewahrt. Der Kämpfer macht vielleicht zum ersten Mal die positive Erfahrung, dass er mit seiner körperlichen Kraft umgehen kann und er nicht Angst haben muss, von zerstörerischer Wut überflutet zu werden oder auszurasten. Er entdeckt, dass diese Kraft weder für ihn, noch für andere destruktiv sein muss und erlebt sie als legitimen, zielgerichteten Anteil seines Seins. In diesem geschützten Raum ist es möglich, ein neues ehrliches und realistisches Selbstbild zu entwickeln. Nähe unter Jungen bzw. Männern entsteht viel leichter durch gemeinsames Tun, als durch Reden. Vor allem beim Kämpfen beginnt der Körper zunehmend autonom zu (re)agieren. Tritt die Kontrolle durch das Denken, durch verinnerlichte Männlichkeitsnormen zurück, kommen die Kämpfenden in Kontakt mit Gefühlen und Bedürfnissen. So ist es möglich, dass oft auf das Ende des Kampfes innigliche Umarmung folgt, aus kämpferischer Berührung Rührung erwächst. Phasen der Ruhe und Entspannung, der Integration von Gefühlen und Erlebnissen, des Redens und aufmerksamen Zuhörens im Kreis der Jungen/Männer werden möglich.

Geboxt wird über 2, maximal 3 Runden. Erlaubt sind gerade Schläge zu Brust, Bauch, Körperseite. Verboten sind Schläge zum Kopf, Unterleib, Nieren-Rückenbereich, Kopf- und Schulterstöße, Ellbogenschläge, Würfe, Fußtritte, Schläge mit dem Handrücken, Hammerschläge und Schwinger. Die Boxer tragen Handschuhe und einen Tiefschutz. Der Boxer und sein Coach können den Kampf jederzeit abbrechen. Es geht nicht darum, den Anderen zu schädigen, sondern sich selbst in einem Kampf zu erleben: Atmung, Ausdauer, Aufmerksamkeit, Reaktionsvermögen, Stressverhalten. Im Kampfgeschehen spiegeln sich oft alltägliche Verhaltensmuster, deren Risiko- und Schmerzhaftigkeit bisher nicht wahrgenommen wurden. Die gesamte Veranstaltung wird durch Rituale des asiatischen Kampfsports bereichert: Begrüßungs- oder Entschuldigungsrituale tragen nicht nur beim Kampf, sondern auch beim alltäglichen Verhalten zum gegenseitigen Respekt bei.

 

Foto: privat
Text: Christian Schönfelder

 

 

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